Am 12. März 2026 fand im Kipferhaus in Hinterkappelen die Veranstaltung «Einsamkeit im Alter – Wege aus der Einsamkeit» statt.
Der Anlass war Teil der regionalen Veranstaltungsreihe «Gesundheit im Alter». Seniorenschauspielerinnen und Seniorenschauspieler des Theaterensembles Obertor führten mit einem Mundartstück in das Thema ein. Danach wurden Erfahrungen und Ideen ausgetauscht.
Zur Begrüssung wies Franz Huber vom Seniorenverein Wohlen auf die vielfältigen Angebote hin.

Die Gründe für Einsamkeit können verschieden sein. Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen, Zusammenleben und Zusammenarbeit sind angeboren. Beziehungen, Austausch und das Gefühl, gebraucht zu werden, gehören zu den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen.

Ein wichtiges Thema des Nachmittags waren die Auswirkungen von Einsamkeit auf die Gesundheit. Einsamkeit ist nicht nur ein Gefühl, sondern kann sich auch körperlich auswirken. Ein erhöhter Cortisolspiegel, hoher Blutdruck und ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krankheiten können die Folge sein.
Im Alter können Einsamkeitsgefühle durch Verluste, gesundheitliche Einschränkungen oder veränderte Lebensumstände entstehen. Wenn Freundinnen, Freunde oder der Partner sterben, wenn Kinder nicht mehr im Alltag präsent sind oder gemeinsame Routinen wie Familien-Mittagessen wegfallen, entstehen Lücken. Auch physische Gründe wie eingeschränktes Hören, Sehen oder Mobilität können dazu führen, dass Kontakte schwieriger werden.
Einsamkeit hat viele Gesichter. Der ältere Herr, dem die Kinder fehlen; der Mensch, der sich fragt, was nach der Pensionierung noch kommt; die Person, die sich am nächsten Tag fragt: „Was macht man morgen?“; das stille Erleben von Leere, wenn die Decke auf den Kopf fällt.
Ältere Menschen verfügen oft über grosse soziale Kompetenzen und wertvolle Erfahrungen. Es wurde betont, dass ältere Menschen noch gelernt haben, miteinander zu sprechen, Beziehungen zu pflegen und sich direkt auszutauschen. Sie bringen damit wahnsinnige Ressourcen mit, die in der Gesellschaft stärker genutzt und wertgeschätzt werden sollten.
Die Diskussion machte auch Mut. Gemeinschaft kann bewusst gepflegt und neu aufgebaut werden. Dazu braucht es nicht immer grosse Projekte. Telefonanruf, ein Besuch, ein gemeinsamer Jass-Nachmittag, ein Kurs oder ein Engagement im Quartier können viel bewirken.

Im Austausch wurden viele praktische Ideen gesammelt, was gegen Einsamkeit helfen kann.
Ein erster Vorschlag war, das Telefonbuch wieder hervorzunehmen und Kontakte zu aktivieren. Wichtig sind auch Orte und Tätigkeiten, bei denen man anderen begegnet. Zb. Kurse wie Töpfern oder Englisch, kirchliche Angebote, Freizeitgruppen, politische Beteiligung oder ein Hund.
Wertvoll ist auch Freiwilligenarbeit. Wer sich freiwillig engagiert, trifft Menschen, übernimmt Verantwortung und erfährt Sinn.
Auch klassische gemeinschaftliche Formen wie ein Jasskreis, ein Spielnachmittag oder die Mitarbeit in einem Verein wurden genannt.
Daneben wurden auch alltagsnahe persönliche Strategien erwähnt:
Darum wurde auch von Einsamkeitsprävention gesprochen. Beziehungen sollten nicht erst dann Thema sein, wenn die Einsamkeit bereits gross geworden ist. Vorsorge ist wichtig, in Freundschaften, in der Nachbarschaft, in Familien, aber auch in Institutionen wie Pflegeheimen. Soziale Netze müssen gepflegt werden, bevor sie reissen.

Die Veranstaltung «Einsamkeit im Alter – Wege aus der Einsamkeit», dass Einsamkeit ein ernstes, aber kein hoffnungsloses Thema ist. Der Nachmittag verband Information, künstlerischen Zugang und persönlichen Austausch auf eine Weise, die sowohl nachdenklich stimmte als auch ermutigte.
Flyer: Wege aus der Einsamkeit
Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF Zürich
Susanne Schaaf, Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF, Zürich Marius Leutenegger, Theaterensemble Obertor, Winterthur