Was möchten wir in unserem Leben festhalten und was dürfen wir loslassen? Mit dieser Frage beschäftigte sich Prof. Dr. Mathias Allemand von der Universität Zürich an der Veranstaltung «Vergangenes loslassen – Neues zulassen» in Kirchlindach.

Eröffnet wurde der Anlass mit der Begrüssung durch Peter Tschanz, Gemeinderat Soziales Kirchlindach und Udo Allgaier, Leiter der Regionalen Fachstelle Alter.

Anschliessend zeigte Mathias Allemand in einem lebendigen und anschaulichen Referat auf, dass wir unser Leben auch im Alter aktiv mitgestalten können.

Dabei gibt es schöne Momente, die wir bewahren möchten, aber auch Veränderungen und Herausforderungen, die uns dazu bringen, Gewohntes loszulassen. Entscheidend ist, eine gute Balance zwischen Festhalten und Loslassen zu finden.
Unsere Wünsche und Träume geben uns Orientierung. Vielleicht möchten wir eine neue Sprache lernen, eine lang gehegte Idee verwirklichen oder mehr Zeit für etwas einsetzen, das uns wichtig ist.
Auch wenn sich die eigenen Möglichkeiten im Laufe des Lebens verändern, bleiben Gestaltungsspielräume bestehen. Allemand ermutigte dazu, neugierig zu bleiben, lebenslang zu lernen und nicht nur auf die eigenen Grenzen zu schauen, sondern auch neue Möglichkeiten zu entdecken. Denn Veränderungen können gerade im Alter neue Chancen eröffnen.

Festhalten bedeuted, Beziehungen zu pflegen, Träume weiterzuverfolgen oder Aktivitäten beizubehalten, die uns Freude und Sinn geben.
Damit dies gelingt, können wir gute Bedingungen schaffen, Prioritäten setzen, unser Handeln bewusst steuern und bei Bedarf die Unterstützung anderer nutzen. Gleichzeitig gehören Abschiede, Veränderungen, Scheitern und Neuanfänge zum Leben. Manchmal kann es deshalb hilfreich sein, unrealistische Ziele oder Belastendes loszulassen. Das ist nicht immer einfach und kann auch schmerzhaft sein.
Beim Loslassen hilft es , die Perspektive zu wechseln und auch in schwierigen Situationen Positives wahrzunehmen. Dankbarkeit für kleine und grosse Dinge kann dabei unterstützen, Menschen, Situationen und Ereignisse mit einem anderen Blick zu betrachten. Loslassen kann auch bedeuten, die eigenen Ansprüche an veränderte Möglichkeiten anzupassen oder bewusst Abschied zu nehmen.
Ein Gedanke aus dem Referat bringt dies besonders treffend auf den Punkt:
«Was wir loslassen, kann uns nicht mehr festhalten.»
Ein Patentrezept gibt es dabei nicht. Vielmehr wollte der Vortrag Denkanstösse geben und dazu ermutigen, sich bewusst mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen: Was möchte ich bewahren? Was belastet mich? Und wo kann durch Loslassen vielleicht etwas Neues entstehen?

Die zentrale Botschaft des Nachmittags: Wir alle gestalten unser Leben – in unserem eigenen Tempo. Auch Veränderungen können neue Möglichkeiten eröffnen. Wer neugierig und offen bleibt und die vorhandenen Möglichkeiten nutzt, bewahrt Zuversicht und Lebensfreude.

Der Anlass wurde organisiert von der Regionalen Fachstelle Alter und unterstützt vom Seniorenverein Kirchlindach.

Mathias Allemand
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